Eine Führungskraft bittet eine Mitarbeiterin, eine wichtige Präsentation vorzubereiten. Die Mitarbeiterin arbeitet sich gründlich ein, entwickelt eine klare Argumentation und schickt am Nachmittag vor dem Termin die fertigen Folien an ihre Führungskraft.
Am Abend erhält sie die Präsentation zurück. Einige Formulierungen sind geändert, zwei Folien neu aufgebaut, eine weitere ergänzt. Dazu die Nachricht: „Ich habe noch ein paar Dinge angepasst, damit du morgen auf der sicheren Seite bist.“
Die Absicht dahinter ist vermutlich eine gute. Die Führungskraft möchte unterstützen, Verantwortung übernehmen und verhindern, dass die Mitarbeiterin in einer wichtigen Situation unnötig ins Risiko geht.
Bei der Mitarbeiterin kann trotzdem etwas ganz anderes ankommen: Offenbar war meine Arbeit nicht gut genug. Vielleicht traut sie mir die Präsentation doch nicht zu. Warum hat sie mich überhaupt damit beauftragt, wenn sie am Ende alles noch einmal verändert?
Am nächsten Morgen läuft die Präsentation gut. Auf der Sachebene ist damit eigentlich alles erledigt. Und trotzdem kann genau in solchen kleinen Situationen etwas entstehen, das Zusammenarbeit langfristig beeinflusst.
Absicht und Wirkung sind zwei verschiedene Dinge
Wir neigen dazu, unser eigenes Verhalten vor allem aus unserer Absicht heraus zu beurteilen. Wir wissen schließlich, warum wir etwas gesagt oder getan haben. Beim Verhalten anderer Menschen steht uns diese Information dagegen nicht zur Verfügung. Wir erleben zunächst nur die Wirkung und beginnen, daraus Rückschlüsse auf ihre Absicht zu ziehen.
Genau hier entstehen viele Missverständnisse.
Eine Führungskraft möchte Sicherheit geben und wirkt kontrollierend. Eine Kollegin möchte eine kritische Frage stellen und wird als grundsätzlich ablehnend wahrgenommen. Jemand versucht, einen Konflikt nicht weiter anzuheizen, und sein Schweigen wird als Desinteresse interpretiert.
Das Schwierige daran ist: Beide Perspektiven können gleichzeitig richtig sein.
Es kann stimmen, dass ich etwas gut gemeint habe. Und es kann gleichzeitig stimmen, dass mein Verhalten beim anderen etwas ausgelöst hat, das ich überhaupt nicht beabsichtigt hatte.
Der Satz „So war das aber nicht gemeint“ hilft deshalb meistens nur begrenzt. Er erklärt die Absicht, verändert aber noch nicht die Wirkung.
Wenn die Sachebene nicht mehr weiterhilft
In Organisationen wird erstaunlich lange versucht, Irritationen auf der Sachebene zu klären. Man diskutiert Argumente, erklärt Entscheidungen noch einmal oder schickt eine weitere Mail mit zusätzlichen Informationen.
Manchmal geht es zu diesem Zeitpunkt aber längst nicht mehr nur um die Sache. Dann wäre es hilfreicher, darüber zu sprechen, was gerade zwischen den Beteiligten passiert. Etwa:
„Ich merke, dass meine Rückfragen bei dir offenbar anders ankommen, als ich sie meine.“
Oder:
„Als du meine Präsentation verändert hast, habe ich mich gefragt, ob du mir die Aufgabe wirklich zutraust.“
Diese Form von Meta-Kommunikation ist anspruchsvoller als eine weitere Diskussion über Inhalte, weil sie mehr Offenheit verlangt. Sie schafft aber die Möglichkeit, Wahrnehmungen zu überprüfen, anstatt sie stillschweigend zu Wahrheiten werden zu lassen.
Und häufig liegt genau darin der Unterschied zwischen einer kleinen Irritation und einem Konflikt, der sich über Wochen oder Monate festsetzt.
Eine steile These
Ich glaube, Zusammenarbeit in Organisationen, das Zusammenleben in Familien und vielleicht auch unser gesellschaftliches Miteinander wären um ein Vielfaches leichter, wenn wir eines wirklich verstanden hätten:
Absicht ist nicht gleich Wirkung.
Denn aus diesem Gedanken ergeben sich zwei Perspektiven, die sich wunderbar ergänzen.
Ich muss die Wirkung meines Verhaltens nicht abstreiten, nur weil meine Absicht eine andere war. Gleichzeitig muss ich aus einer unangenehmen Wirkung nicht automatisch schließen, dass mein Gegenüber etwas gegen mich hat.
Zwischen diesen beiden Positionen entsteht Raum für Neugier.
Was wolltest du eigentlich erreichen? Was ist bei mir angekommen? Was habe ich möglicherweise hineininterpretiert? Und was könnten wir beim nächsten Mal anders machen?
Das klingt einfach. In emotionalen oder konflikthaften Situationen ist es das selten.
Die eigene Wirkung verstehen lernen
Gerade im beruflichen Kontext lohnt es sich deshalb, die eigene Kommunikation nicht nur unter der Frage zu betrachten: „Habe ich mich klar ausgedrückt?“
Mindestens ebenso interessant ist: „Wie wirke ich eigentlich auf andere?“
Für Führungskräfte gewinnt diese Frage zusätzlich an Bedeutung. Durch ihre Rolle bekommen Aussagen, Rückfragen oder Entscheidungen häufig mehr Gewicht, als ihnen selbst bewusst ist. Ein gut gemeinter Hinweis kann wie Kritik wirken, eine Nachfrage wie Kontrolle und das bewusste Zurückhalten einer eigenen Meinung wie Desinteresse.
Aber auch Fachkräfte, Projektverantwortliche oder Menschen am Beginn ihres Berufslebens profitieren davon, solche Situationen genauer betrachten zu können. Nicht, um sich ständig selbst infrage zu stellen, sondern um die eigene Wahrnehmung um weitere Perspektiven zu ergänzen.
Ein Kommunikations- oder Business Coaching kann dafür einen hilfreichen Reflexionsraum bieten. An konkreten Situationen aus dem Arbeitsalltag lässt sich sehr genau untersuchen, welche Absicht hinter dem eigenen Verhalten stand, welche Wirkung möglicherweise entstanden ist und welche anderen Möglichkeiten es gegeben hätte, miteinander in Kontakt zu kommen.
Denn gute Kommunikation bedeutet nicht, immer die richtigen Worte zu finden.
Sie bedeutet auch, bereit zu sein, sich mit der eigenen Wirkung auseinanderzusetzen – und nachzufragen, wenn Absicht und Wirkung einmal nicht zusammenpassen.
Wie wirke ich eigentlich auf andere?
Genau diese Frage lässt sich im Alltag oft nur schwer beantworten. In einem Coaching bei konteam schauen wir gemeinsam auf konkrete Kommunikationssituationen, wiederkehrende Muster und die Wirkung des eigenen Verhaltens.
So entsteht mehr Klarheit darüber, was Sie erreichen wollen, was beim Gegenüber ankommt und wie Sie auch in anspruchsvollen Situationen gut in Kontakt bleiben.
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