„Wir möchten unser Organisationsentwicklungsgremium (OEG) neu aufstellen.“
Mit diesem Auftrag begann die Zusammenarbeit mit einem Unternehmen, das durch eine flache Organisationsstruktur und eine ausgeprägte Beteiligungskultur geprägt ist. Zunächst sollte das bestehende Gremium hinsichtlich Aufgaben, Besetzung und Arbeitsweise weiterentwickelt werden.
Im Prozess veränderte sich jedoch die zentrale Frage:
Nicht mehr: Wie organisieren wir das OEG neu?
Sondern: Wie organisieren wir Organisationsentwicklung künftig im gesamten Unternehmen?
Das bisherige OEG war ein wertvoller Reflexionsraum. Unterschiedliche Perspektiven kamen zusammen, wichtige Themen wurden diskutiert und Impulse gesetzt.
Doch viele Organisationen kennen das Problem: Im Gremium entstehen gute Ideen, außerhalb bleibt unklar, wer sie weiterverfolgt und wie daraus konkrete Veränderungen werden.
Deshalb rückte eine grundsätzlichere Frage in den Mittelpunkt:
Wie wird Organisationsentwicklung zu einer gemeinsamen Aufgabe, ohne dass Verantwortung diffus wird?
In den Workshops entstand ein neues Rollenverständnis. Das OEG soll künftig weniger selbst Lösungen erarbeiten. Stattdessen soll es
Das OEG wird vom Bearbeiter zum Katalysator.
Die eigentliche Entwicklung findet dort statt, wo Menschen gemeinsam an realen Herausforderungen arbeiten. Das Gremium schafft dafür Orientierung, klärt Verantwortlichkeiten und hält den Prozess in Bewegung.
Zu Beginn stand die Vermutung im Raum, dass neue Bearbeitungsprinzipien nötig seien. Die Analyse konkreter Arbeitsprozesse führte jedoch zu einer anderen Erkenntnis:
Vielleicht brauchen wir weniger neue Prinzipien als eine konsequentere Anwendung der vorhandenen.
Viele Organisationen verfügen bereits über sinnvolle Leitbilder und Beteiligungsgrundsätze. Entscheidend ist, ob sie im Alltag greifen:
Gerade für Organisations- und Personalentwicklung ist diese letzte Frage wichtig. Wirkung zeigt sich nicht allein in durchgeführten Workshops, sondern beispielsweise in schnelleren Abstimmungen, tragfähigeren Entscheidungen oder einer besseren bereichsübergreifenden Zusammenarbeit.
Das OEG bleibt ein wichtiger Baustein, ist aber nicht der alleinige Ort der Entwicklung. Eine tragfähige OE-Architektur klärt vier Dinge:
So wird Organisationsentwicklung zugleich beteiligungsorientiert und steuerbar. Das erleichtert es auch, ihren Nutzen intern zu vermitteln und die nötigen Ressourcen zu begründen.
Organisationen entwickeln sich nicht allein durch neue oder neu besetzte Gremien. Sie brauchen Strukturen, in denen viele Menschen Verantwortung übernehmen können – mit klaren Rollen, nachvollziehbaren Entscheidungen und einer Verbindung zur Strategie.
Die Aufgabe moderner Organisationsentwicklung besteht deshalb nicht darin, selbst die besten Lösungen zu entwickeln. Sie schafft die Bedingungen, unter denen gute Lösungen im System entstehen und wirksam werden können.
Wer ein OEG neu aufstellen möchte, sollte daher nicht mit der Besetzung beginnen, sondern mit der Frage:
Welche Funktion soll das Gremium in unserer gesamten Architektur der Organisationsentwicklung erfüllen?