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Espresso-Austausch: Kleine Form, große Wirkung

Geschrieben von Nele Haasen | Jul 21, 2026 9:08:31 AM

Wie bringt man Führungskräfte miteinander ins Gespräch, ohne gleich ein ganzes Seminar, eine lange Werkstatt oder eine kollegiale Fallberatung daraus zu machen? Aus dieser Frage heraus ist gemeinsam mit einer Kommune ein neues Format entstanden:

der Espresso-Austausch.

Kurz, lebendig und praxisnah

Die Kommune war offen für eine frische Form des Lernens und Austauschs: kurz, lebendig, praxisnah und bewusst anders als ein klassisches Seminar.
Jetzt haben wir das Format gemeinsam umgesetzt:

2 Stunden. 2 Espressomaschinen. 15 Führungskräfte.

Mit dabei waren Abteilungsleitungen, Stellvertretungen sowie Team- und Sachgebietsleitungen.
Das gewünschte Thema lautete zunächst: „Schwierige Gespräche führen".

Von „schwierigen Gesprächen“ zu Klärungsgesprächen

Viele Führungskräfte kennen Gespräche, die als unangenehm, heikel oder belastend erlebt werden. Gleichzeitig richtet der Begriff „schwierig“ den Blick stark auf die Schwere.
Im Espresso-Austausch haben wir das Thema deshalb gemeinsam umdefiniert:

Klärungsgespräche führen.

Diese Benennung wurde von den Teilnehmenden sofort als kraftvoller erlebt. Sie klang zielgerichteter, professioneller und motivierender.
Ein Klärungsgespräch ist nicht einfach ein Gespräch, das schwer ist. Es ist ein Gespräch, das Orientierung schaffen kann. Es kann Erwartungen klären, Irritationen bearbeiten, Zusammenarbeit verbessern und Entwicklung ermöglichen. Manchmal auch Grenzen setzen.

Warum Espresso einen Unterschied macht

Der Espresso-Austausch will keine langen Einzelfälle bearbeiten. Er ist kein Ersatz für Coaching, Supervision oder eine Führungs-Werkstatt.
Er ist ein kurzes, lebendiges Format, in dem Wissen aufgefrischt, Erfahrungen geteilt und Netzwerke gestärkt werden.
Der Espresso machte einen Unterschied. Allein dadurch, dass tatsächlich Espresso zubereitet werden konnte, entstand eine andere Atmosphäre. Der Raum wurde weniger seminarhaft. Es wurde gelacht, ausprobiert und füreinander gesorgt.
Ich hatte meine tragbare Siebträgermaschine mitgebracht. Nicht jede Person konnte sie auf Anhieb erfolgreich bedienen – ein kleines Espressobad auf dem Tisch inbegriffen.
Gerade das war wunderbar.  Denn plötzlich war da etwas Spielerisches im Raum. Eine gemeinsame Erfahrung. Etwas, das nicht perfekt laufen musste.
Auch Klärungsgespräche laufen selten perfekt. Man bereitet sich vor – und dann reagiert das Gegenüber anders als gedacht. Oder eben die Espressomaschine.

Ein leichter Einstieg schafft Verbindung

Der Einstieg ins Format war bewusst leicht gestaltet. Die Teilnehmenden stellten sich zunächst über eine kleine Aufstellung im Raum vor. Dabei ging es um Kennenlernen, Bewegung und erste Resonanz.
Manche waren erst seit Jahresanfang bei der Kommune, die Langjährigste hatte gerade ihr 25-jähriges Dienstjubiläum gefeiert. Danach kamen zwei Fragen, die sofort Verbindung schufen:

Wo habt ihr euren schönsten Urlaubs-Espresso getrunken?
Und wo bekommt man in eurer Kommune den besten Espresso?

Solche Fragen verändern den Ton. Menschen erleben sich nicht nur als Rollenträger:innen, sondern auch als Personen.
Gerade in Verwaltungen ist das wertvoll. Dort gibt es viele Schnittstellen, viele Rollen und viele Zuständigkeiten. Führung findet häufig unter hoher Belastung statt: mit knappen Ressourcen, politischen Erwartungen, komplexen Prozessen und hohem Kommunikationsbedarf.

Lernen, ohne zusätzliche Schwere zu erzeugen

Führungskräfte brauchen Formate, die nicht noch mehr Schwere erzeugen. Sie brauchen Räume, in denen sie kurz aus dem Alltag heraustreten, Erfahrungen abgleichen und voneinander lernen können.
Der Espresso-Austausch eignet sich dafür besonders gut.

  • Er ist kurz genug, um in dichte Arbeitswochen zu passen

  • Er ist strukturiert genug, um nicht beliebig zu werden.

  • Und er ist offen genug, damit echte Begegnung entstehen kann.

Kurze Impulse wechselten sich mit Austausch zu Leitfragen ab. Durch wechselnde Gesprächskonstellationen hatte am Ende jede Person einmal mit jeder gesprochen. So entstand nicht nur inhaltliche Auffrischung, sondern auch Vernetzung – niedrigschwellig, lebendig und unmittelbar anschlussfähig an den Führungsalltag.

Was der Espresso-Austausch bewirkt

Das Format unterstützt drei Dinge gleichzeitig:

  1. Wissen wird aufgefrischt. Kurze Impulse bringen zentrale Gedanken wieder in Erinnerung.

  2. Erfahrungen werden ausgetauscht. Teilnehmende merken: Andere kennen ähnliche Situationen, Fragen und Unsicherheiten.

  3. Netzwerk wird gefördert. Menschen begegnen sich jenseits ihrer üblichen Arbeitszusammenhänge.

Damit unterscheidet sich der Espresso-Austausch deutlich von einer klassischen Führungs-Werkstatt. Eine Werkstatt geht stärker in die Tiefe. Sie arbeitet länger, intensiver und häufig fallbezogener. Der Espresso-Austausch dagegen ist verdichtet. Er lebt von kurzen Impulsen, wechselnden Gesprächen, kleinen Reflexionen und einer Atmosphäre, die Bewegung ermöglicht.

Nicht alles muss vollständig bearbeitet werden. Nicht jedes Anliegen braucht sofort eine Lösung. Manchmal reicht es, einen neuen Gedanken mitzunehmen, eine Formulierung, eine Unterscheidung oder eine andere Perspektive.

Klärungsgespräche brauchen mehr als Gesprächstechnik

Eine Perspektive war in diesem Espresso-Austausch besonders wichtig: Klärungsgespräche sind nicht nur Situationen, in denen ich etwas beim Gegenüber anspreche. Sie sind auch Situationen, in denen ich selbst gefragt bin – mit meiner Reaktion, meiner inneren Sortierung und meiner Fähigkeit, im Kontakt zu bleiben. Deshalb haben wir im Ablauf einen bewussten Perspektivwechsel eingebaut. Neben der Frage, wie ich ein Klärungsgespräch gut vorbereite und rahme, ging es auch darum:

Wie gehe ich selbst damit um, wenn ich Empfänger:in eines kritischen Feedbacks bin?
Wie kann ich mich gut steuern?
Wie sorge ich für mich, damit ich im Gespräch handlungsfähig bleibe?

Denn Führungskräfte sprechen nicht nur mit anderen über Klärungsbedarf. Sie sind selbst Teil des Geschehens. Sie erleben Unsicherheit, Ärger, Überraschung, Verteidigung, Scham oder Druck. Wer Klärungsgespräche führen will, braucht deshalb nicht nur Gesprächstechniken. Es braucht auch Selbststeuerung, innere Sortierung und ein Bewusstsein für die eigene Wirkung.

Ein Format für Kommunen und Unternehmen

Gerade innovative Kommunen können mit solchen kurzen Formaten zeigen: Verwaltung kann Lernen anders gestalten – alltagsnah, lebendig und mit Sinn für Beziehung. Auch für Unternehmen ist das Format interessant. Überall dort, wo Führungskräfte Wissen auffrischen, miteinander ins Gespräch kommen und eine gemeinsame Sprache entwickeln sollen, kann ein Espresso-Austausch wirksam sein. Über Mittag. 2 Stunden. Danach geht es "erfrischt" weiter im Arbeitsalltag.

Wenn Teilnehmende im Anschluss sagen, dass sie mit mehr Mut, mehr Orientierung oder mehr Gelassenheit in solche Gespräche gehen, dann hat das Format seinen Zweck erfüllt.

Der Espresso-Austausch zeigt: Lernen muss nicht immer lang dauern. Es braucht auch nicht immer die „genialen“ Impulse. Oft geht es darum, vorhandenes Wissen aufzufrischen und einen guten Rahmen zu schaffen, in dem Menschen offen miteinander über Führung sprechen können.

Manchmal braucht es dafür einfach eine innovative Auftraggeberin, ein relevantes Thema, kurze Impulse, echte Begegnung – und vielleicht eine Siebträgermaschine, an der nicht alles sofort klappt.

Interesse an einem Espresso-Austausch für Ihre Organisation?

Sie möchten Führungskräfte in Ihrer Kommune oder Ihrem Unternehmen kurz, lebendig und praxisnah miteinander ins Gespräch bringen?
Dann entwickeln wir gerne gemeinsam ein passendes Format für Ihr Thema – zum Beispiel zu Klärungsgesprächen, Zusammenarbeit, Führung im Alltag oder bereichsübergreifender Kommunikation.

Sprechen Sie uns gerne an. Wir gestalten einen Espresso-Austausch, der zu Ihrer Organisation, Ihren Führungskräften und Ihrem aktuellen Bedarf passt.